Wenn Hundertwassers Architekturprojekte entstehen, sind es meist einzelne Personen, die sich im Vorfeld mit ihrer ganzen Kraft dafür engagieren. So auch in Magdeburg.
Rolf Opitz – der ehemalige Vorstandsvorsitzende und Geschäftsführer der Wohnungsbaugenossenschaft „Stadt Magdeburg von 1954“ e.G. - wurde durch den Malwettbewerb "So will ich wohnen", des Verbandes der Wohnungsgenossenschaften Sachsen-Anhalts mit über 100 Viertklässlern aus Halle, Dessau und Magdeburg angeregt. Es entstanden fantasievolle Kinderbilder - so sind ein Stiefel oder ein Backenzahn in Kinderaugen sehr wohntauglich. Beachtlich war es, welch große Rolle die Natur offenbar bei der Gestaltung des Wohnumfeldes der Kinder spielte. Kindlich-bunte Naivität gab den geistigen Anstoß, ein Bildband mit Werken des Architekturkünstlers Friedensreich Hundertwasser tat sein übriges. Rolf Opitz Idee war geboren, ein Haus von Friedensreich Hundertwasser in Magdeburg zu bauen.
Mit großer Lust auf Umsetzung seiner Vision fasste Rolf Opitz im Jahr 1996 den Entschluss, Hundertwasser um Hilfe zu bitten. Insofern entstehen erste Kontakte zum Manager Hundertwassers, Herrn Joram Harel. Die Idee wird konkreter und findet weitere Unterstützung durch den damaligen Oberbürgermeister Dr. Willi Polte und Stadtplanungsamtleiter Dr. Eckart Peters. Intern und öffentlich wurde viel pro und contra diskutiert.
Friedensreich Hundertwasser ließ den Standort für sein Bauprojekt in Magdeburg durch sein Team genau prüfen. Die Herausforderung in Magdeburg einen Beitrag für eine natur- und menschengerechtere Architektur zu leisten interessierte ihn. Gespräche und Verhandlungen führten zum Erfolg.
Trotz zahlreicher anderer Anfragen an den Meister übernimmt er die Planung des Magdeburger Objekts. Erste Vertragsentwürfe aus Wien und eigene Kostenschätzungen für den Umbau werden erarbeitet.
Hundertwasser sagt zu und man entschließt sich gegen die ursprüngliche Umgestaltung des Plattenbaus und für einen völligen Neubau. Der Plattenbau wird gesprengt - für Magdeburg ein großes Glück!
Hundertwasser arbeitet in Neuseeland in ständigem Kontakt mit seinem Architekten Peter Pelikan, der bereits mit ihm das Hundertwasserhaus in Wien und viele andere Architekturprojekte realisiert hat, an dem Magdeburger Projekt.
Die Aquarelle illustrieren Gestaltungen mit handschriftlichen Kommentaren des Künstlers, die während des Entstehungsprozesses der Grünen Zitadelle entstanden sind.. Im Juli trifft eine Postkarte aus Neuseeland ein. Der Meister schreibt, dass das Magdeburger Werk „mein schönster und bester Bau“ werden würde, und es den Namen „DIE GRÜNE ZITADELLE von Magdeburg“ trägt. Für die Bauvoranfrage wird ein 1:200 Arbeitsmodell erstellt, das nicht im Detail ausgearbeitet ist, aber zu Planungszwecken dient.
In engem Kontakt mit dem Architekten Peter Pelikan gehen täglich zahlreiche Faxe zwischen Neuseeland und Wien hin und her. Das Projekt wird fertig geplant und ein 1:50 Modell gebaut.
Am 19. Februar 2000 stirbt Friedensreich Hundertwasser auf der Reise von Neuseeland nach Europa. Hundertwasser hat die Arbeiten an seinem Projekt in Magdeburg abgeschlossen und architektonische wie gestalterische Details in das Modell der GRÜNEN ZITADELLE von Magdeburg einarbeiten lassen. Er wollte dieses Modell nach seiner Ankunft in Europa persönlich in Magdeburg präsentieren.
Im Juni wird das 1:50 Baumodell eine Woche lang im Rathaus zu Magdeburg der Öffentlichkeit vorgestellt.
Durch die wirtschaftlich problematische Situation droht das Projekt zu scheitern, da die finanzielle Abwicklung allein von der Wohnungsbaugenossenschaft „Stadt Magdeburg von 1954“ e.G. nicht realisiert werden kann.
Der Kooperationsvertrag zwischen der Gero Beteilungs- Treuhand- und Verwaltungsgesellschaft mbH und der Wohnungsbaugenossenschaft „Stadt Magdeburg von 1954“ e.G. wird geschlossen. Sie übernimmt von nun an die Realisierung des Projekts.
Die Erarbeitung des Marketingkonzepts zur touristischen Gesamtvermarktung und Betreuung der GRÜNEN ZITADELLE von Magdeburg übernimmt im April 2004 die Centum Aqua Marketing GmbH, ein Tochterunternehmen der Gero Beteiligungs-Treuhand- und Verwaltungsgesellschaft mbH.
In Vorbereitung auf das kommende Bauprojekt dient die Ausstellung der GERO AG im Kulturhistorischen Museum Magdeburg der Information und Aufklärung über die Hundertwasserarchitektur. Fast 40.000 Menschen besuchen sie bis zum 18.01.2004. Neben den letzten graphischen Werken des Künstlers sind 15 Hundertwasser-Architekturmodelle ausgestellt.
Die Übergabe des Städtebaulichen Vertrags erfolgt.
Der erste Spatenstich symbolisiert nach 7 Jahren den Beginn des Baus. Mit der Bauausführung der GRÜNEN ZITADELLE von Magdeburg wird die MBN Montage-Bau GmbH Magdeburg beauftragt. Über 80 Handwerksfachbetriebe aus der Region waren beim Bau der Grünen Zitadelle beteiligt.
Am 19. März 2004 findet die Grundsteinlegung für die GRÜNE ZITADELLE von Magdeburg unter großem Interesse der Öffentlichkeit statt.
Als zwölftes Highlight im Rahmen der Feierlichkeiten zur 1200-jährigen Ersterwähnung der Stadt Magdeburg wird die GRÜNE ZITADELLE von Magdeburg am 3. Oktober 2005 feierlich teileingeweiht.
Die endgültige Baufertigstellung wurde am 31.12.2005 gemeldet.
Eröffnung des "Theater in der Grünen ZItadelle" mit dem Klassiker ARSEN UND SPITZENHÄUBCHEN. Unter der Regie von Wolfgang-David Sebastian spielten Ingeborg Krabbe und Inge Sievers die beiden mörderischen Tanten in einem der wohl berühmtesten Boulevardstücke aller Zeiten.
Mit einem rauschenden Fest und unter großem Publikumsinteresse hat die Grüne Zitadelle ihren 20-jähringen Geburtstag gefeiert. Das bunte Rahmenprogramm aus Foodtrucks, Karussells, Live-Bands und Theater-Inzenierungen wurden durch ein spektakuläres Feuerwerk abgerundet.